Städtereise in die Hauptstadt Portugals: Lissabon

Stadt der sieben Hügel

 
Einst war Lissabon die erste Weltstadt Europas, quasi das New York der Renaissance. Während der 26-jährigen Regentschaft Manuels I. florierte das Land. Der reichste König der christlichen Welt sandte im Juli 1497 Seefahrer Vasco da Gama aus, Christen und Gewürze zu finden. Da Gama war es auch, der schließlich den Seeweg nach Indien entdeckte. Mit exotischen Waren und Reichtümern beladen kehrten die Schiffe nach Monaten auf hoher See in ihren Heimathafen zurück und der weiß blitzende Turm von Belém begrüßte die Matrosen schon von weitem. Das zwischenzeitig als Gefängnis genutzte Wahrzeichen der Stadt bietet von seiner Terrasse im vierten Stock eine tolle Aussicht auf die umliegenden Viertel und den blassblauen Fluss Tejo. Beléms Touristenmagnet ist das Jerónimos-Kloster mit unzähligen orientalischen Ornamenten und Verzierungen in Kirche und Kreuzgang. Wer von so viel Prunk und Protz erschöpft und hungrig ist, gönnt sich im traditionellen Kaffeehaus Fábrica dos Pastéis de Belém eine süße Pause. Hier liegt der köstliche Duft von Zimt, Sahne- und Puddingtörtchen in der Luft und tagtäglich wandern 10.000 der von Hand nach Geheimrezept gemachten Kalorienbomben über den historischen Verkaufstresen. 
 
 

Geliebte Altstadt

Wie das Viertel Belém nah am Wasser gebaut ist das Altstadtviertel, die  Alfama. Vom Fluss bis hinauf zum  Castelo Sao Jorge auf dem höchstgelegenen Gelände der Stadt zieht sich das Labyrinth aus engen Gassen  und steilen Steinstufen. Noch heute ist das Bild geprägt durch einen Mix aus frisch geweißten Hauseingängen und maroden Häuschen. Alfama ist zum Verlieben. Fernab der städtischen Hektik bieten Frauen in den Straßen Fisch feil und in kleinen Ladengeschäften wie in der Rua Sao Pedro oder Rua dos Remédios zahlt man sein duftendes, frisch aus dem Ofen kommendes Brot noch beim Bäcker persönlich. 
 
Körperlich am wenigsten anstrengend lernt man die Alfama mit der Linie 28  kennen. Die berühmte Straßenbahn, die seit 1902 durch die Stadt zuckelt, sollte zwar längst abgeschafft werden, doch die Lisboetas - die Einwohner Lissabons - hängen an der dienstältesten Tram der Welt. Vorbei an Wohnhäusern mit von Geranien und Mimosen überwucherten Balkonen und Cafés müht sie sich tagein tagaus auf den Burgberg und durch die engen Sträßchen. Vor
allem in der Rua das Escolas Gerais stehen die Häuser so nah beieinander, dass sich die Nachbarn per Handschlag „Guten Morgen“ sagen können. Schnäppchenjäger werden auf Lissabons größtem Flohmarkt, der „Feira da Ladra“ sicher fündig, doch Vorsicht: Der „Markt der Diebinnen“  heißt nicht nur aus nostalgischen Gründen so, sondern ist einerseits bevorzugtes Revier für Langfinger und andererseits hat das eine oder andere angebotene Teil seinen Vorbesitzer nicht ganz freiwillig verlassen.
 
 
 

Von Kunst umgeben

Während hierzulande Fliesen in Küchen und Bädern ein geduldetes Schattendasein fristen, wird in Portugal die Kunst der Azulejos  (arabisch für polierter Stein) allerorten zelebriert. Die vielfarbig bemalten Kacheln haben eine lange Tradition und verzieren Häuserwände, Restaurants, Kathedralen oder Paläste. Mittlerweile wurden selbst Bahnhöfe von portugiesischen Künstlern gestaltet und so wirkt das Metro-Netz wie eine riesige unterirdische Galerie. Über 300 Jahre älter und beeindruckende 22 Meter lang ist das blau- weiße Grande Panorama de Lisboa. Vom Tejo aus gesehen ist jedes auch noch so kleine Detail darauf festgehalten. Dies sollte sich nach dem großen Erdbeben von 1755 als äußerst praktisch erweisen, denn mit der Tafel als Vorlage wurde die weitestgehend zerstörte Stadt wiederaufgebaut. Allgegenwärtige Alltagskunst findet sich auch in den unzähligen Mosaiken der Stadt, die fast alle großen Plätze und Boulevards zieren. Allen voran das fast 9.000 Quadratmeter große „mar largo“ (Schwere See) aus schwarzem Basalt und weißem Kalkstein sowie das „Denkmal der Entdeckungen“ mit 50 Metern Durchmesser. Flaches Schuhwerk sei an dieser Stelle übrigens angeraten. Bei Regen kann der Boden schon mal glitschig werden und die holprigen Kopfsteinmosaiken sind für Pfennigabsätze & Co. eher ungeeignet. 
 
 

Sandburgen und Königsschlösser

Bei Sonnenschein zieht es den Städter an seine 20 bis 30 Kilometer entfernten  „Hausstrände“, auch „portugiesische Riviera“ genannt. Diese zeichnet sich durch feinen Sand, raue Klippen und im atlantischen Westwind raschelnde Palmen aus. Während sich im Seebad Estoril die Schickeria die Zeit mit Golfen, Glücksspiel und Edeldinnern vertreibt, zeigen sich der „Strand der Königin“  (Praia da Rainha) im Seebad Cascais und der Praia do Guincho weniger prätentiös. Dank der besten Wellen Europas ist letzterer besonders bei Surfern beliebt und wenn die Sonne im Meer versinkt, wird in den Strandbars die Nacht zum Tag gemacht. Wer genug Zeit hat, macht noch einen Abstecher ins pittoreske Sintra. Die von Lissabon aus 25 Kilometer im Landesinnern gelegene, ehemalige Sommerresidenz der königlichen Familie wartet mit Palästen, Herrenhäusern und Gärten wie etwa dem immergrünen Parque de Monserrate auf, dessen Schönheit schon Lord Byron inspirierte. 
 

Quelle: Kundenmagazin FREIZEIT 07/2010, Autor: Rebecca Reichenbach

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