Eine üppige Vegeation und ein ganzjährig mildes Klima haben Madeira den Beinamen "Blumeninsel" eingetragen. Und mit mehreren Tausend Kilometern Wanderwege ist sie gleichzeitig ein Paradies für Wanderer.
Um eines gleich vorweg zu nehmen: Madeira ist keine Badeinsel. Quadratkilometergroße Strände mit feinkörnigem, weißem Sand sucht man hier vergebens. Deswegen bleibt auch der Massentourismus aus - anders als auf den Kanaren. Statt dessen ist die Atlantikinsel ein wahres Wanderparadies.
Hier ist fast das ganze Jahr hindurch Wandersaison. Und Wandern ist die beste Möglichkeit, um die Naturschönheiten
der Insel eingehend zu erkunden.
Wie die Kanaren und die Azoren auch ist Madeira vulkanischen Ursprungs. Ihre feurige Vergangenheit hat den Charakter der Insel dauerhaft geprägt: Flüsse mit starkem Gefälle laufen geradlinig dem Meer zu;
schroffe Steilküsten
erheben sich schwindelerregend hoch aus dem Meer. Besonders im Süden, wo ein spektakulärer Aussichtspunkt 589 Meter hoch auf dem Cabo Girão, einer der höchsten Klippen Europas, thront. Im Inneren der 741 Quadratkilometer kleinen Insel türmt sich eine atemberaubende Gebirgslandschaft
bis zu 1.800 Meter
über dem Meeresspiegel auf, wohingegen das Wasser teilweise tiefe Schluchten in das weiche Vulkangestein gegraben hat. Auch die Lavahöhlen bei São Vicente, Hohlräume im erkalteten Magma, legen heute noch Zeugnis ab von den urgewaltigen Kräften, die hier noch vor einer halben Million Jahrenim Spiel waren.
Ein Wegnetz aus Wasseradern
Damals wuchs auf den fruchtbaren Böden hauptsächlich Holz (auf portugiesisch „madeira“), das für den Namen der Insel Pate stand. An Wasser herrschte zu keiner Zeit Mangel: Von Nordosten brachten die Passatwinde stets niederschlagsreiche Wolken heran. Doch der Regen versickerte ungenutzt im porösen Vulkangestein,
bis im 15. Jahrhundert in mühevoller Handarbeit die ersten Levadas angelegt wurden. Diese Bewässerungskanäle
durchziehen wie steinerne Adern die gesamte Insel, und ihre Ränder stellen daher eine relativ bequeme Möglichkeit dar, das Inselinnere zu erwandern.
Trittsicherheit und eine gute Portion Wagemut sind dennoch gefragt, denn die abenteuerliche Wegführung schließt exponierte Passagen hoch über schwindelerregende Schluchten mit ein - und auch der eine oder andere Tunnel ist zu durchqueren. Wer diese kilometerlangen Maulwurfsgänge nicht in totaler Finsternis entlang stolpern möchte, packt sicherheitshalber eine Stirnlampe zur Ausrüstung. Am Ende der Strapazen stehen dafür nicht selten Orte von wahrhaft paradiesischer Schönheit:
Azurblaue Wasserbecken im Basaltgestein, rauschende Wasserfälle mitten im Urwald, sattes Grün in allen Schattierungen.
Für Gipüfelstürmer und Pflanzenfreunde
Geübten
Bergsportlern
stehen versteckte
Hirtenpfade,
fast vergessene Verbindungswege zwischen Dörfern oder aber der Caminho Real mit spektakulären Ausblicken offen. Auch der zentrale Kamm des Massivs, der den Norden vom
Süden der Insel trennt und die Wetterscheide darstellt, kann in beide Richtungen in etwa acht Stunden Gehzeit erwandert werden. Vom Pico do Arieiro (1.810 m) ist das nächste Ziel, Madeiras höchster Gipfel, bereits in Sichtweite: der
Pico Ruivo
(1.861 m). Nach einer Rast auf der einzigen Berghütte schlängelt sich der Kammweg weiter bis zum Pico Jorge (1.691 m). Die
grandiose Aussicht
auf Nord- und Südseite der Insel sowie die reiche Flora (meterhohe Baumheide, Heidelbeersträucher und Ginster) entschädigen jedoch reichlich für die Strapazen dieser Tour.
Obwohl das subtropische Klima auf Madeira ganzjährig angenehme Durchschnittstemperaturen um die 20 Grad aufweist, kann das Wetter im Tagesverlauf sehr wechselhaft sein. Mit kurzen Schauern muss vor allen Dingen auf der Nordhälfte der Insel gerechnet werden - eine leichte Hardshell-Jacke gehört daher auf jeden Fall genauso ins Gepäck wie ausreichender Sonnenschutz. Selbst die Wanderungen entlang der Levadas sind - trotz ihrer geringen Steigung - keine Spaziergänge.
Quelle: Kundenmagazin FREIZEIT 02/2011, Autor: Aldo Green
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