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Eine spannende Reise mit der Hurtigruten in die Polarnacht

Hurtigruten
von Der beste Stammkunde der Welt
erstellt am
13.09.2018

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Eine spannende Reise mit der Hurtigruten in die Polarnacht

Von Hans-Joachim Wolter aus Wittingen

Über 2700 Kilometer entlang der norwegischen Küste

Schon seit mehreren Jahre wollte ich Polarnacht und Polarlicht erleben. 2017 war es endlich so weit. Es dauerte etwa ein halbes Jahr, bis ich alle Vergüns­tigungen für die Fahrt mit der norwegischen Postschiffslinie Hurtigruten oder Hurtigruta ans Ende der Welt zusammen hatte. Den Ausschlag gab der Newsletter, in dem Einzelkabinen ohne Aufpreis angeboten wurden. Und Waldemar hatte ich inzwischen auch schon für diese Reise gewonnen; so fuhr ich nicht allein.

Herr Krewega und Frau Lücke vom Reisebüro Eichmann übernahmen die Vor­bereitung nach meinen Wünschen. Und es klappte alles, keine Panne unter­wegs.

Dienstag, 5. Dezember

Endlich ging es los!

Eine Viertelstunde vor 5 Uhr holte mich Waldemar mit seinem Auto ab. Wir wollten sicher sein, dass wir zum Einchecken am Flughafen rechtzeitig anka­men, und fuhren deshalb schon 06:05 mit dem Metronom von Uelzen nach Hamburg, wo wir um 07:02 ankamen. Die Parkkarten hatte ich um Zeit zu sparen bereits am Vortag in Wittingen gekauft. Der Zug fuhr pünktlich und noch fast leer ab und wurde unterwegs immer voller. Fast pünktlich erreichten wir den Hamburger Hauptbahnhof.

Den Bahnsteig für die Weiterfahrt mit S-Bahn 1 zu finden war mühselig, weil wir einen Treppenabgang ohne Rolltreppe erwischten. Nach mehrmaligen Fragen erfuhren wir schließlich von einem Bahnbeamten, dass die ersten drei Wagen zum Flughafen, die hinteren drei nach Poppenbüttel fuhren. Nach etwa 25 Minuten hatten wir unser erstes Ziel erreicht, und zwar sehr früh. Wir suchten zunächst die Abfertigungsschalter der Eurowings und ruhten uns dann in einer der wenigen Ruhezonen im ersten Stock der großen Wartehalle auf einer Bank aus und beobachteten das geschäftige Hin und Her.

Flughafen Helmut-Schmidt Hamburg

Um 08:20 Uhr gingen wir zum Schalter und erhielten sehr schnell unsere Bordkarten, die Koffer kamen auf das Gepäckband, wurden geröntgt und roll­ten davon. Und dann kam die Handgepäck- und die Personenkontrolle mit dem Scanner. Ich überstand die erste Prozedur, doch dann kam die Panne: Ich wusste, dass man keine Flaschen mit Flüssigkeiten mitnehmen durfte. Dass aber auch Mundwasser und Haarwasser unter das Verbot fielen, ahnte ich jedoch nicht; sogar die Dose mit dem Rasiergel gehörte dazu, mit ihr hätte ich jemanden erschlagen können. Da ich mich von den Dingen nicht trennen wollte, wurde ich noch einmal zum Einchecken geschickt. Ich musste mich ganz hinten anstellen und die ganze Prozedur begann noch einmal von vorn. Warum ich die verbotenen Dinge nicht gleich in den Abfallbehälter getan habe, weiß ich nicht; ich dachte nur, dass es vielleicht eine bessere Lösung geben würde. Gab es aber nicht! Weil ich mein Handgepäck nicht aufgeben wollte dann hätte ich alles behalten , musste ich mich von den Dingen doch noch trennen. Und jetzt wurde ich richtig gefilzt: alle Taschen leeren, Portmonee, Gürtel und Jacken abgeben und die Schuhe ausziehen. Trotz­dem erreichte ich noch rechtzeitig den Flieger.

Waldemar musste seine gerade erst gekaufte Flasche mit Wasser und eine etwas größere Nagelschere abgeben. Wenn zwei Experten mit dem Flugzeug reisen wollen!

Wir fanden unsere reservierten Plätze und verstauten das Handgepäck sowie die dicken Jacken im Handgepäckfach. Das Flugzeug war nur wenig besetzt. Es verließ bald danach den Liegeplatz, musste aber noch längere Zeit auf dem Rollfeld warten. Inzwischen wurden wir über das Anlegen der Rettungs­weste informiert.

Während des Fluges klärte es auf, wir flogen über den Wolken, vor Oslo konnten wir schon die norwegische Küste, den Oslofjord und bald auch die ersten Orte sehen. Die Sonne schien bei der Landung auf Oslos Flughafen Oslo Lufthavn , etwa 50 Kilometer nordöstlich von Oslo.

Ein Linienbus brachte uns in gut 25 Minuten über die autobahnähnlich ausge­baute E 6 in Oslos Stadtzentrum.

In Oslo

Der Busfahrer erklärte uns zwar den Weg zum Komfort Hotel Karl Johan in der Karl Johans gate 12 , trotzdem mussten wir noch nachfragen, denn wir fanden die Straße nicht gleich.

Den Vigelandspark , Vigelandsanlegget , hätte ich zwar gern im Schnee gese­hen, doch es lohnte sich nicht, weil in der Stadt nur sehr wenig Schnee lag und die helle Tageszeit für einen Besuch auch nicht mehr ausreichte. Deswe­gen machten wir nur einen kleinen Stadtbummel durch die Fußgängerzone, die Karl Johans gate , an deren Ende das Schloss steht. Am Reichstag war ein kleiner Weihnachtsmarkt aufgebaut, so wie wir ihn kennen. Später erfuh­ren wir vom Jan auf der MS Polarlys, dass es in Norwegen fast keine Weih­nachtsmärkte gibt.

Das Rathaus war wegen der Verleihung des Friedensnobelpreises leider ge­schlossen, sonst hätte ich Waldemar die große Empfangshalle mit den be­merkenswerten Wandzeichnungen zeigen können.

Nach der Besichtigung des Domes gingen wir noch zum Zentralbahnhof und suchten schon einmal den Bahnsteig, wo am nächsten Morgen unsere Bahn­fahrt begann. Hier fanden wir auch endlich eine Minibank, d.h. einen Bankau­tomaten, und hoben 2000 NOK ab, etwa 200 €.

Im Hotel aßen wir noch lecker zu Abend übrigens die erste Mahlzeit nach unserem frühmorgendlichen Frühstück. Der Tag war lang und anstrengend gewesen, sodass wir bald in unseren Zimmern verschwanden.

Mittwoch, 6. Dezember

Mit der Bergenbahn nach Bergen

Frühstück war für 7 Uhr angesagt. So hatten wir genügend Zeit für den Gang zu unserem Zug. Gestern schien die Sonne, heute regnete es, der wenige Schnee war über Nacht zu Matsch geworden. Vor dem Bahnhofsgebäude ka­men wir an einem überdimensionalen Tiger vorbei. Warum der dort steht, ist mir nicht ganz klar, aber Oslo wird häufig Tigerstadt, Tigerstaden , genannt.

Der Zug wartete bereits. Unsere Sitzplätze im Wagen 6 fanden wir schnell, auch den Platz für unsere Koffer, das Handgepäck und die dicken Jacken passten ins Handgepäckfach und wir hatte reichlich Platz, denn der Zug war und wurde nicht sehr voll.

Als wir pünktlich in Oslo abfuhren, regnete es noch, und Schnee lag auch kaum. Der kam erst später. Durch viele kleinere Orte fuhr der Zug ohne Halt in Richtung Süden, Sandvika war der erste Halt. Interessant wurden unter­wegs die angegebenen Temperaturangaben. In Asker war es 6° C warm, auch noch in Drammen, wo wir um 09:04 Uhr waren. Bei Drammen und Hokksund kamen wir an Ausläufer des Drammensfjordes. Als wir um 10:06 Uhr in Hønefoss am Oslofjord hielten, war die Temperatur auf 1° C gesunken und Schnee lag jetzt auch schon reichlich, aber nicht soviel wie damals, als Hedwig, Hartmut und ich diese Reise im März machten. Im 168 Meter hoch gelegenen Nesbyen war es eine gute Stunde später auch noch nicht kälter geworden. Anders war es in Gol, 207 moh, wo wir einen der Gegenzüge auf der eingleisigen Strecke passieren lassen mussten. Hier lag viel Schnee, die Bäume waren mit einem dicken weißen Polster überzogen. War es frisch ge­fallener Schnee, gefrorener Schnee oder dicker Raureif? Aber kälter wurde es auf der weiteren Strecke trotzdem nicht, es blieb bei 0° C, wie an der An­zeigetafel im Wagen zu lesen war, obwohl Geilo ca. 700 Meter und Ustaoset 990 Meter hoch lagen. In Finse, 1222 moh, Europas höchst gelegenen Bahnhof, war es bereits wieder wärmer geworden (1° C) und es regnete wie­der. 300 Kilometer hatten wir bislang zurückgelegt, 170 Kilometer lagen noch vor uns.

Um die Mittagszeit suchten wir den Bistrowagen auf und bestellten Kaffee und heiße Schokolade. Wir waren die einzigen Gäste in dem Wagen und ka­men mit dem netten Mann hinter der Theke ins Gespräch. Zum Schluss gab er uns noch eine interessante Broschüre über die Bergenbahn.

Ab Finse wurde der Zug etwas voller.

12:52 Uhr: 2 ° C.

Bislang waren wir nördlich der Hardangervidda Nordnorwegens höchstes Gebirgsplateau entlanggefahren, jetzt ging es abwärts dem Meer entgegen.

In der 866,8 Meter hoch gelegenen Bahnstation Myrdal bestand die Möglich­keit, mit der 20 Kilometer langen Flåmsbahn in das am Aurlandsfjord gelege­ne Flåm zu fahren. Bei Myrdal war während meiner ersten Hutigruten-Bahn­fahrt der Zug ganz langsam gefahren, damit die Reisenden den Blick in das schmale Tal genießen konnten. Diesmal fuhren mit gleich gebliebener Ge­schwindigkeit daran vorbei, ohne es zu merken, obwohl ich nach diesem Tal ganz konzentriert Ausschau hielt. Auch die Ankündigung dieses Ausblicks durch den Zugführer wie damals vermisste ich.

Zwischen Myrdal und Voss fuhren wir lange Zeit an einem Fluss entlang, der stellenweise einem See glich. Es regnete immer noch. In Voss, 64 moh, war es noch 2° C warm, in Dale, 36 moh, bereits 5° C; kälter wurde es nicht mehr.

Auch hinter Voss begleitete uns ein Fluss, den wir mehrmals überquerten. Beim nur noch 8 Meter hochgelegenen Arna konnte es bereits ein Fjord gewesen sein. Bald war Bergen erreicht, die Endstation unserer etwa 7 stün­digen Bahnfahrt.

In Bergen

Wir dachten, dass der Bus zum Hurtigrutenkai vom Busbahnhof abfuhr, doch da hatten wir uns geirrt. An einem Schalter der Busbetriebe erfuhr Waldemar, dass der Bus von der gegenüberliegenden Bahnhofsseite abfuhr. Aufgrund unserer etwas längeren Suche war er jedenfalls nicht da, so nahmen wir ein Taxi. Das Geld wird uns nach der Reise von Hurtigruten erstattet.

Wie gut, dass wir am Dienstag bereits Geld getauscht hatten; so konnten wir die Fahrt wenigstens in Kronen bezahlen!

An Bord

Am Anleger begaben wir uns in die Abfertigungshalle, wo wir auch bald ein­checken und unser Gepäck abgeben konnten. Es wurde in der MS Polarlys vor unsere Kabinen gebracht; so gab ich auch meinen, kleinen, bunten Hand­gepäckkoffer, das Geburtstagsgeschenk der Gutts, ab.

Nun standen wir vor der Frage: Gehen wir zur Brygge der Hanse (Fußweg: 30 Minuten) oder in das Stadtzentrum (Fußweg: nur 25 Minuten)? Weder noch, es regnete uns zu sehr, so blieben wir im ersten Stock der Halle und warteten, bis wir aufs Schiff konnten.

Vorher erhielten wir noch Unterweisungen mittels eines Filmes, was alles zu tun sei, falls es zu einem Unglück kommen sollte. Auch hing in jeder Kabine an der Tür ein reflektierender Rettungs- und Wegeplan.

Das Personal musste noch die letzten Kabinen in Ordnung bringen. So lange sahen wir uns auf der MS Polarlys um. In den Treppengängen und Fluren zeigten Fotografien die verschiedenen Landschaften Norwegens. Die Bilder von der Insel Spitzbergen erinnerten mich an Grönland.

Waldemar hatte auf Deck 6 über den Rettungsbooten in der Mitte der MS Po­larlys die Kabine 618 mit einem großen Fenster, meine Kabine lag ganz vorn, wunschgemäß unten auf Deck 3 und hatte zwei Bullaugen. Sie waren nicht zugeschraubt, also konnte es nicht sehr stürmisch werden. In meiner Kabine fühlte ich mich richtig wohl.

Nachdem wir unsere Kabinen betreten konnten, packten wir unsere vielen Sachen aus. Dabei stellte ich gleich fest, dass ich viel zu viel mitgenommen hatte; und so war es auch. Einige Fächer in den zahlreichen Schränken blieben leer. Mein Handtäschchen aus Krakau, einen Stoffbeutel, packte ich für die Aufenthalte in der Panoramabar, meistens in der Nähe der Mitte der großen Fensterfront mit dem besten Blick in Fahrtrichtung; nur selten fand ich dort keinen Platz und musste auf eine der beiden Seiten ausweichen.

Um 21:45 Uhr mussten wir uns in dem Vortragsraum an der linken Seite der MS Polarlys, Backbord, einfinden, wo wir für die Reise wichtige Informationen erhielten, u.a. auch dass eine große Gruppe Chinesen mit uns fährt. Marko, ein Deutscher, der vor elf Jahren nach Norwegen gekommen war, eine nette Norwegerin kennengelernt hatte und seit einigen Jahren als Seemann bei den Hurtigruten arbeitet, informierte uns und stellte uns seinen Kollegen Jan vor, der später die Vorträge an Bord hielt. Marko war der Animateur.

Natürlich standen wir beim Auslaufen draußen auf dem Aussichtsdeck 7. Langsam verschwand die hell erleuchtete Stadt in der nächtlichen Dunkelheit.

Donnerstag, 7. Dezember

Der zweite Tag an Bord der MS Polarlys

Das leise Brummen der Maschinen ließen mich schnell einschlafen und ich schlief in dieser ersten Nacht an Bord wie ein Murmeltier. Gegen 04:30 Uhr hielten wir etwa 15 Minuten in Florø. Als wir gegen sieben Uhr in Måløy an­legten, hatte mich mein Wecker bereits geweckt, denn für das Rasieren mit dem Elektrorasierer, den ich zum Glück mitgenommen hatte, benötigte ich et­was mehr Zeit als für die Nassrasur. Außerdem wollte ich richtig schön warm und lange duschen. Doch zur verabredeten Zeit acht Uhr war ich pünkt­lich im Restaurant.

Im Torget Im Restaurant

Hier hatten wir den Tisch 34, wo wir auch bei den Mahlzeiten saßen, wenn freie Platzwahl war. Obwohl wir nicht ganz am Fenster saßen, konnten wir die Landschaft an der (rechten) Steuerbordseite betrachten; manchmal kamen wir auch an einem Schiff vorbei, mal war es ein Frachter, mal eine Fähre, sel­ten kleine Flitzer, Segelboote überhaupt nicht.

Das morgendliche Buffet war sehr reichhaltig und abwechslungsreich, aller­dings ohne frische, bzw. knackig aufgebackenen Brötchen sie waren fast so weich und schwer zu schneiden wie die tschechischen.

Mein Frühstück begann bis auf einige wenige Male mit einem Schälchen Jo­ghurt mit Früchten, Vanille oder Natur. Bei der Wurst war die Auswahl ziem­lich klein; leckeren rohen Schinken gab es morgens überhaupt nicht. Wenn es Croissants gab, langte ich zu, auch bei den leckeren Kopenhagener Strei­fen, die es an den anderen Tagen gab. Fisch, auf die vielfältigsten Arten zu­bereitet, sah mich zwar immer an, aber ich konnte mich nicht überwinden ihn wenigstens mal zu probieren. Langte ich an den ersten Tagen beim Frühstück kräftig zu, wurde dies im Lauf der Zeit immer weniger. Ich tat ja nichts, außer gucken und schlafen, und verspürte deswegen auch keinen Hunger.

Zu Mittag war ein reichhaltiges Buffet angerichtet. Am wichtigsten war für mich die Suppe, die zwar immer sehr dünn war, aber köstlich schmeckte, oft holte ich mir dann Nachschlag und aß ein paar Kekse dazu. Am letzten Tag gab es Erbsensuppe, diesmal mit ganzen Erbsen, und natürlich auch andere Köstlichkeiten, sehr unterschiedlich zubereitete Salate, Gemüseauflauf. Die ungeschälten Kartoffeln, ungepellte Pellkartoffeln möchte ich sagen, nahm ich immer und irgendetwas aus den Pfannen dazu.

Alle Zutaten kamen aus der jeweiligen Gegend, in der wir uns an diesem Tage befanden. Dies galt besonders für das Dinner, wie die auf dem Tisch stehende täglich neue Speisekarte verriet.

Wenn die Mahlzeiten gut warm auf den Tisch gekommen wären, wäre ich mit dem Essen sehr zufrieden gewesen; das Gemüse war sehr al dente, fast roh und nur noch warm.

In der Panoramabar

Gegen 8 Uhr gelangten wir in die offene Meeresstrecke Stadhavet : Windstär­ke 8. Der Wind kam allerdings von hinten, sodass wir manchmal nur ein leich­tes Schlingern und Schaukeln merkten. Auf dem Aussichtsdeck 7 erklärte Jan die Besonderheiten dieser Strecke.

Gleich nach dem Frühstück griff ich mein schon gepacktes Handtäschchen und fand in der Mitte der Panoramabar in der ersten Reihe einen bequemen Dreh- und Schaukelsessel. Auch an den anderen Tagen versuchte ich immer direkt vor den großen Scheiben zu sitzen. Nur selten musste ich auf die seitli­chen Sessel ausweichen. In meinem Handtäschchen hatte ich einen Schreib­block, einen Schreiber, mein Handy zum Fotografieren, das Ladekabel und meine warme Wollmütze. Abends schrieb ich an die Daheimgebliebenen und verschickte regelmäßig eine Auswahl meiner Fotos. An den Wänden, dicht über dem Fußboden, konnte ich in den Steckdosen mein Handy wieder aufla­den. Die Mütze brauchte ich, wenn ich für kurze Zeit einmal auf das Aus­sichtsdeck 7 oder nach draußen auf die offenen seitlichen Gänge der Decks 4 und 5 wollte.

Gegen 9 Uhr wurde es allmählich heller, doch dunkle Wolken überall. Der Regen klatschte gegen die Scheiben. Auf den Inseln und dem Festland lag so gut wie kein Schnee, selbst die Gipfel waren nur wenig weiß gepudert. Wir fuhren wieder in geschütztem Fahrwasser und die leichten Schiffsbewegun­gen hatten aufgehört.

Vor Torvik fuhren wir unter einer der vielen Brücken hindurch, die Inseln mit­einander oder mit dem Festland verbinden. Dann kam Torvik, wo die MS Po­larlys für 15 Minuten hielt, um be- und entladen zu werden.

Ålesund

Allmählich näherten wir uns Ålesund und fuhren oft erschreckend dicht an In­seln und Schären vorbei. Auf den Gipfeln lag jetzt wieder etwas mehr Schnee und die Bewölkung lockerte auf, doch es regnete weiter, auch in Ålesund noch, und der Wind frischte auf.

Heute wurde das Buffet um 11:30 Uhr geöffnet, bevor die Gäste zu ihren Ausflugsprogrammen aufbrachen. Waldemar und ich wollten auf den etwa 100 Meter hohen Hausberg Aksla : Regen und heftiger Wind; die Kapuze woll­te nicht immer auf dem Kopf bleiben. Wir benutzten den Weg durch den Park und die Treppe, weil dies der schnellste und kürzeste Aufstieg war.

Im Park war ein Denkmal für den Wikinger Hrolf Ganger, zu Ehren Kaiser Wil­helms II ein Obelisk und ein Denkmal oben auf dem Berg.

Oben auf dem Aksla sahen wir in einen der Bunker aus dem zweiten Welt­krieg. Mich beschlich auch 72 Jahre nach Kriegsende noch ein eigenartiges Gefühl. Was muss dort alles passiert sein?

Im Restaurant Fjellstua konnten wir uns aufwärmen, etwas trocknen und uns mit Kaffee und Tee stärken. Hier saßen wir trocken und konnten den tollen Blick auf die Stadt genießen. Dann ging es wieder hinunter in die Stadt, im­mer noch im Regen und peitschendem Wind. In der Stadt war es weniger windig. Ich suchte unter den Jugendstilhäusern eines mit einer Weihnachts­dekoration, doch leider vergeblich.

Pünktlich zur Abfahrtszeit wie es sich gehörte zehn Minuten früher waren wir wieder an Bord. Bald hinter Ålesund hörte der Regen auf. Ich saß wieder in der Panoramabar, doch um 16:30 Uhr war bereits finstere Nacht.

Unterwegs nach Molde und Kristiansund

Gegen 18 Uhr hielt die MS Polarlys in Molde, wo wir jedoch nicht aussteigen konnten, denn zur gleichen Zeit wurde auf den reservierten Plätzen das Abendessen serviert: als Vorspeise Kabeljau, als Hauptgericht Lammfleisch und ein Nachtisch, meistens Pudding oder Joghurt mit einer Fruchtmischung.

Dass wir an dieser landschaftlich tollen Atlantikstraße, dem Atlanterhavsve­gen , entlangfuhren, war bei der Dunkelheit nicht zu sehen, im Sommer aber wohl auch nicht.

In Kristiansund stieg ich aus, die Dreiviertelstunde reichte gerade zu einem kurzen Stadtbummel. Den blau angestrahlten Fischkutter und das kleine Blu­menhäuschen musste ich fotografieren, schließlich war ich vor Jahren bei un­serem Kristiansund-Besuch auch daran vorbeigekommen. Von der Aussichts­plattform an einer Treppe hätte ich eine sehr schöne Aussicht auf den Hafen haben können. Aber da aber ich nicht wusste, wie viel Zeit ich noch für den Rückweg zum Anleger brauchte, ging ich daran vorbei.

Gegen Mitternacht war Nachtruhe.

Freitag, 8. Dezember

Der dritte Tag an Bord der MS Polarlys

In Trondheim

Gegen 6 Uhr legte die MS Polarlys in Trondheim an. Heute mussten wir frü­her aufstehen und schon um 07:45 Uhr frühstücken, denn eine Stunde später begann unsere Stadtrundfahrt durch Trondheim.

In der Nacht hatte es geregnet und gefroren, Pfützen waren gefroren, der Bo­den war stellenweise glatt.

Nachdem ein Schweizer am Ende der Gangway gestürzt war, verkaufte Jan massenweise Spikes, die unter die Schuhe geschnallt werden konnten.

Waldemar und ich brauchten sie nicht, unsere warmen Stiefel hatten sehr rutschfeste Sohlen.

Das erste Ziel war der Nidarosdom. Nach den Angaben im Bus war es in der Stadt 4° C, oben auf dem Aussichtspunkt sogar 8° C warm. Unsere Reiselei­terin stellte uns sowohl in Englisch als auch in Deutsch unterwegs die Stadt vor. Es war noch schummerig, als wir nach nur kurzer Fahrzeit am Dom an­kamen. Wir wurden bereits erwartet. Zwanzig Minuten dauerte die Domfüh­rung; fotografieren war verboten. Erstaunlicherweise war es inzwischen schon ziemlich hell geworden, sodass die reich verzierte Westfassade schön zur Geltung kam. Für einen Rundgang um den Dom reichte die Zeit nicht aus.

Wir kamen an vielen interessanten Stelle vorbei, z.B. an der Synagoge, doch Zeit zum Gucken hatten wir keine. Besonders viel erfuhren wir über die Un­iversität, an der wir sogar vorbeifuhren. Zahlen und Fakten habe ich jedoch schon während der Fahrt wieder vergessen, es waren zu viele Informationen.

Dann ging es berghoch. Dabei fuhren wir ein kurzes Stück neben der nörd­lichsten Straßenbahnlinie her und am Trøndelag Folk Museum , einem im Winter geschlossen Freilichtmuseum vorbei zu einem Aussichtspunkt, wo wir auf Fjord und Teile der Stadt einen guten Ausblick hatten. Während der Rück­fahrt hielt der Bus in der Stadt und wir nutzten die Möglichkeit durch die Stadt zu gehen: Der Stiftsgården , in den 1770-er Jahren errichtet und eines der größten Holzgebäude Skandinaviens, ist seit 1906 die offizielle Residenz des norwegischen Königs in Trondheim. Das Haupthaus hat eine Breite von 58 Metern und wird von zwei Flügeln flankiert. Die Deckenhöhe im Haupthaus beträgt 4,3 Meter. Die Gesamtgrundfläche des Gebäudes beträgt 4000 Qua­dratmeter, verteilt auf 140 Räume.

Wir mussten uns beeilen und kamen auf der vergeblichen Suche nach der Al­ten Brücke und den ehemaligen Lagerhäusern am Nidelva durch Straßen mit vielen Holzhäusern. Im Bahnhof kaufte Waldemar noch einmal Kronen und dann ging es im Sauseschritt über die Bahngleise zum Anleger.

Abfahrtszeit war gegen 12 Uhr, Mittagszeit mit einem Buffet mit einer riesigen Auswahl. Gleich nach dem Auslaufen fuhren wir an der kleinen Insel Munk­holmen vorbei.

Über die Folda nach Rørvik

Über Trondheims Bergen zeigte sich für kurze Zeit ein schmaler sonniger Streifen. Während der Weiterfahrt durch von Inseln geschütztes Gewässer begann gegen 14 Uhr bereits wieder die Dämmerung und wenige Minuten später der Regen, dunkle Wolken über dem Meer, hellere Wolken über dem Festland, von dem trotz der Berge kaum noch etwas zu sehen war, davor waren viele flache Inseln, die häufig mit Brücken verbunden waren.

Und dann 14:30 Uhr fuhren wir an einem der schönsten Leuchttürme Nor­wegens vorbei, dem Kjeungskjær fyr , wie Marco und Jan auf dem Außendeck 7 erklärten. Als ich den Informationen lauschte, fiel mir auf, dass hier ober die Motorengeräusche erheblich lauter waren als in meiner Kabine, die den Motoren recht nahe lag. Als der Leuchtturm allmählich verschwand, wurden uns Miesmuscheln angeboten. Ich konnte mich nicht dazu überwinden. Schön blöd!

Regen und Wind hatten aufgehört, es war gefühlt wieder wärmer gewor­den.

Weil es um 15:30 Uhr bereits finster war, sahen Waldemar und ich uns einen interessanten Film über die Küstenregion Trøndelag an. Vorher gab es bereits den Film Norwegische Geologie , den sich Waldemar ansah, während ich lieber die in der Finsternis verschwindende Landschaft betrachtete. Walde­mar fand den Vortrag sehr interessant, auch wenn Jan viele ihm bekannte Fakten erwähnte.

Zum Abendessen um 18 Uhr gab es Lachs, der zwar sehr fett war, aber vor­züglich schmeckte.

Auf dem Weg von Trondheim nach Rørvik fahren die Hurtigrutenschiffe im Sommer durch den schwierig zu befahrenden, kurvenreichen, schmalen Stokksund , im Winter benutzen sie jedoch die offene Meeresstrecke Folda , die wir ab 18 Uhr etwa in zwei Stunden bewältigten. Wir merkten nur leichte Bewegungen.

In Rørvik stiegen wir noch einmal aus, um unsere Beine zu vertreten und das Essen rutschen zu lassen. Wir hätten hier auch die südgehende MS Trollfjord (2002) besichtigen können. Unser Ziel, das Küstenmuseum, fanden wir an dem Abend jedoch nicht.

Um 22:40 Uhr lag ich in meiner Koje, Apps und Bilder waren verschickt.

Samstag, 9. Dezember

Der vierte Tag an Bord der Polarlys

Über den nördlichen Polarkreis

Um 07:23 Uhr überquerten wir den nördlichen Polarkreis. Es war noch dunkel und der Kapitän ließ die Schäre mit dem Globus anstrahlen, damit wir überhaupt etwas sehen konnten.

Als wir Ørnes mit 8 Minuten Verspätung um 09:38 Uhr verließen, war es fast hell; aber viel heller wurde es auch nicht.

10 Uhr: die Polarkreistaufe, ein Highlight der Fahrt bis nach Kirkenes!

Neptun tauchte vom Deck 6 aus der Tiefe kommend oben auf dem Aussichts­deck 7 auf. Am Vortag konnte jeder eine Zeit zwischen 7 und 8 Uhr angeben, in der er die Überquerung vermutete. Der Sieger erhielt eine Originalfahne der Hurtigruten, die auf der Polarlys am Mast gehangen hatte. Ich lag mit meiner geschätzten Zeit 7:19 Uhr weit daneben. Mit ihm begrüßten alle, die am Vortag ein Glas Sekt gekauft hatten, den Gott des Meeres, der sich anschließend umarmen und drücken ließ. Diese Prozedur dauerte fast eine Stunde, dann wurde Neptun wieder auf der Brücke gebraucht.

Bald begann es zu schneien. Die Berge entlang der Küste und die kleinen, flachen Inselchen wurden weiß.

Auch heute gab es ab 11:30 Uhr ein Buffet, damit wir zum Beginn unserer Ex­kursion zum Saltstraumen gesättigt waren. Diesmal saßen zwei Japanerin­nen neben uns, die uns unbedingt fotografieren mussten.

Der Ausflug zum Saltstraumen

Es wurde eine interessante Fahrt durch Bodø. Wir hatten aber auch das Glück, dass wir in einem Bus saßen, in dem nur Deutsche waren, während der Reiseleiter in dem anderen Bus Deutsche und Englisch sprechende Gäs­te hatte und so zweisprachig erklären musste.

Auch hielt der Bus an Stellen an, wo besonders viel gesagt werden musste oder zu sehen war. U.a. stoppte der Bus an einer modernen Skulptur, die der Künstler einem anderen Ort gestiftet hatte, sie dort aber wieder abholte und Bodø schenkte. An ihrem ersten Standort, dessen Namen ich schon bis zum Aufschreiben am Nachmittag vergaß, war sie falsch herum, auf dem Kopf ste­hend aufgestellt; hier steht sie nun aber richtig herum. Am Grundstein der Un­iversität hielten wir längere Zeit und am Luftfahrtmuseum, dem Norsk Luftfartsmuseum oder Norges nasjonale museum for luftfart , fuhren wir ganz langsam vorbei. König Harald V. hatte es 1994 eröffnet.

Am Saltstraumen fuhren wir zunächst über die hohe Brücke, sodass wir die Strudel von oben sehen konnten, und dann wieder zurück zum Parkplatz. Hier stiegen wir aus und gingen auf einem verschneiten, stellenweise glatten Fußweg zum Strudel. Dabei kamen wir an dem Hotel vorbei, wo Birte und ich 1998 gefrühstückt hatten, und an zwei Häusern, eines war bewohnt, das an­dere schien ein Wochenendhaus zu sein.

Hier draußen in der Fast-Wildnis war es vor allen windig und daher unange­nehm kalt. Nicht immer gelang es, ein nicht verwackeltes Foto zu machen. Busfahrer und Reiseleiter sagten, dass die Strudeltätigkeit heute verhältnis­mäßig gering war, was ich bestätigen kann. Trotzdem lohnte dieser Ausflug.

Nach Svolvær

Eine halbe Stunde nach dem Auslaufen aus Bodø war es wieder dunkel. Da­her nutzten wir den Nachmittag für einen sehr interessanten Vortrag über die Wikinger im Konferenzraum auf der Steuerbordseite des Decks 4.

Zum Abendessen um 18 Uhr gab es einen Rindersaftbraten, den leider viele Sehnen durchzogen, das bestätigte Waldemar auch.

Drei Stunden benötigte die MS Polarlys für die offene Meeresstrecke Vestfjord , um vom Festland zu den Lofoten zu gelangen, wo wir erst in Stam­sund anlegten und dann in Svolvær.

Hier hatten wir die Möglichkeit zwei Ausstellungen zu besuchen, eine aus Eis geschnitzte Skulpturensammlung oder das Kriegsmuseum. Wir entschieden uns für das Museum.

Chinesen an Bord

Bereits am ersten Abend an Bord hatte uns Marco über eine große chinesi­sche Gruppe informiert, die uns aber in unserer Bewegungsfreiheit nicht beeinträchtigen würde. Ab Svolvær war es dann aber doch etwas anders.

Bis Kirkenes war diese Gruppe an Bord, sehr viele junge Frauen, die in Svolvær auf den Lofoten einen weltberühmten Koch, von dem wir noch nie etwas gehört hatten und den wir auch nicht zu Gesicht bekamen, erwarte­ten und bei Filmaufnahmen für das chinesische Fernsehen mitwirkten. Je näher wir Svolvær kamen, desto aufgeregter und vogeliger wurden die jungen Damen. Eine trug fast immer einen goldenen Mantel und goldene Schuhe, auch wenn sie der Witterung nicht immer entsprachen. Ich hätte sie gerne fotografiert, doch irgendwie schaffte ich es nie.

Und dann waren auch einige Männer in der Gruppe, von denen einer im­mer recht griesgrämig umherlief. Auf sein Kommando hörten die anderen meistens.

Hier stieg der hohe Herr mit seinem Gefolge ein; sie schleppten die Utensi­lien an Bord.

In Svolvær

Als die Chinesen noch damit beschäftigt waren, ihre Gerätschaften an Bord zu bringen, waren wir bereits auf dem Weg zum Museum.

Dort fiel uns sofort die Menge an Uniformen auf: darunter 140 Uniformen, von der Wehrmacht, SS und Gestapo, norwegische und britische Uniformen, und eine große Anzahl von Fotografien sowie eine Fülle von Exponaten. Als ich nach der Linge-Kompanie fragte, zeigte uns der Museumsleiter die Original­uniform dieser Kompanie; es war aber nicht die des ersten Leiters Martin Lin­ge.

Männer der Linge Kompanie betrieben regen Schiffsverkehr zwischen Eng­land und Norwegen. Sie brachten Flüchtlinge oder verwundete Freiheits­kämpfer zu den Shetland-Inseln und brachten dafür dringend benötigte Hilfs­güter und Propagandamaterial zurück. Aus diesem Grunde wurde der kleine norwegische Ort Telavåg zerstört und die Männer in deutsche Konzentrati­onslager verschleppt.

In den ersten Jahren der Besatzungszeit versuchte die schwedische Regie­rung die Flucht aus Norwegen zu verhindern, um ihren Neutralitätsstatus nicht zu gefährden. Daher wurden die meisten Flüchtlinge in Lagern inter­niert, wo sie nur mit dem Notwendigen versorgt wurden. Ich meine sogar gelesen zu haben, dass einzelne Flüchtlinge den deutschen Behörden aus­geliefert wurden.

Neu war für mich, dass die schwedischen Behörden später den aus Norwe­gen Geflüchteten, Norwegern und auch Ausländern, unter ihnen Willy Brandt, Sicherheit gewährten und dass es keine Ausweisungen oder Auslieferungen gab. In der Finnmark wurden die Flüchtlinge oft von den dort lebenden Sami unterstützt.

Waldemar und ich waren die einzigen Besucher von der MS Polarlys. Uns hat die Liegezeit der MS Polarlys in Svolvær nicht ausgereicht, um alle In­formationen lesen und alle Ausstellungsstücke in Ruhe betrachten zu können. Es war spannend!

Hier in Svolvær hätten wir auch eine aus Eis geschnitzte Skulpturensamm­lung besuchen können

Nach einer knappen Stunde Halt in Svolvær ging es weiter in Richtung Tromsø.

23:30 Uhr. Ich hätte auf eines der Außendecks gehen können, denn die Po­larlys hatte die Einfahrt zum Trollfjord erreicht und Jan hatte dazu einiges zu sagen. Weil es finstere Nacht und vom Fjord nichts zu sehen war und die Hurtigruten im Winter nicht in den Fjord hineinfuhren, wie ich wusste, zog ich es vor meine Kabine aufzusuchen. In meinem Bett dachte noch über den Mu­seumsbesuch nach.

Sonntag, 10 Dezember

Der fünfte Tag an Bord der MS Polarlys

Von den Lofoten nach Tromsø und Skjervøy

In der Nacht waren wir auf unserem Weg von Svolvær über Harstad auf der Inselgruppe Vesterålen nach Tromsø durch den Rystraumen, die zu einem Kanal ausgebaggerte Meeresenge Risøyrenna, gefahren. Ich freute mich schon auf die Rückfahrt, denn dann fuhren wir bei Tag durch dieses inter­essante Strecke der Hauptschifffahrtsstraße für den Küstenverkehr.

Heute frühstückten wir erst um halb neun Uhr. Während wir noch frühstück­ten, wurde die Küste schemenhaft sichtbar und Marco meldete sich zu Wort, um uns mitzuteilen, dass von 09:15 Uhr bis 13 Uhr keine Durchsagen erfolg­ten, um die Filmaufnahmen nicht zu stören. Das Bistro Brygga zwischen dem Restaurant und der Rezeption sei gesperrt, sodass wir die Treppenhäuser benutzen müssten, um diesen Bereich zu umgehen.

Ich saß wieder in der Panoramabar und ließ die Landschaft, schneebedeckte Inseln an mir vorbeigleiten.

Eine Katamaran-Fähre überholte uns, zwei andere Fähren kreuzten unseren Weg. Die See war ruhig. Dann legten wir noch vor dem Mittagessen in Finns­nes an. Weil wir planmäßig eine halbe Stunde Zeit hatten, ging ich in den weihnachtlich geschmückten Ort. Doch plötzlich tutete die Polarlys, ein Zei­chen für die baldige Abfahrt um die Verspätung einholen zu können. Da musste ich mich aber beeilen. Sofort, nachdem ich das Schiff erreicht hatte, wurde die Gangway eingeholt und abgelegt. Glück gehabt!

Zum Mittagessen wurde heute Nudelsuppe serviert, mit vielen Nudeln, sätti­gend und sehr gut schmeckend und gut warm. Und dann erreichten wir Tromsø. Es wurde schon wieder dunkel. Wir hatten keinen Ausflug gebucht, sondern den Besuch im Polarmuseum geplant. Diesen Tipp hatte mir Marco gegeben. Über zwei Stunden blieben wir in dem Museum und schlenderten dann noch durch die Stadt. Im Dom wurde für die am gleichen Abend noch stattfindende Aufführung des Weihnachtsoratoriums geprobt. Wir lauschten der Musik und erholten uns dabei von dem sehr informativen Museumsbe­such.

Zum Amundsendenkmal mussten wir natürlich auch, doch wegen der Dunkel­heit war es nur zu sehen, nicht aber genauer zu betrachten; genauso erging es uns mit dem nur 30 Meter entfernt stehenden 1995 eingeweihten Denkmal für die aus Tromsø deportierten Juden. Darauf sind die Namen von 17 Männern, Frauen und Kindern zu lesen sowie die Inschrift »Zur Erinnerung an die Juden aus Tromsö, die in den deutschen Konzentrationslagern er­mordet wurden. In tiefer Ehrerbietung errichtet von ihren Landsleuten. Wir dürfen nie vergessen!«

Ein leuchtender Baum erhellte einen Teil des Parks, in dem die Denkmäler stehen.

Um 18 Uhr wurde das Abendessen serviert, wie immer nur warm und etwas übersichtlich. Uns reichte es. Waldemar trank hin und wieder ein Bier zum Essen, das ein kleines Vermögen kostete, sonst schenkte die Bedienung Wasser aus, soviel man wollte, Tee und Kaffee konnte man sich an den Auto­maten holen. Marco erzählte in einem seiner Vorträge, dass in Norwegen das Alkoholproblem keine große Rolle spielte. Wenn ein Norweger aber trinkt, dann so viel, dass er unter dem Tisch läge, halb betrunken sei weggeworfe­nes Geld. Doch diese Exzesse kämen nur selten vor.

Kurz vor Jans Vortrag über Land und Leute Norwegens passierte uns gegen 20 Uhr die südgehende MS Nordlys (1994). Kaum hatte Jan begonnen, kam die Durchsage Nordlicht backbord, wir sollten an dunkle Stellen auf den Decks und Außengängen gehen. Tatsächlich: Weiße Wolken ähnliche Gebil­de waren am nächtlichen Himmel zu sehen, später kam sogar noch ein schwach grüner Streifen hinzu. Die Gischt spritzte bis auf Deck 5, es war ek­lig windig und kalt.

Nun bekamen Waldemar und ich keine zweite Reise geschenkt, denn wir hat­ten das Nordlicht gesehen.

Zu einem späteren Zeitpunkt holte Jan seinen Vortrag nach.

Montag, 11. Dezember

Der sechste Tag an Bord der MS Polarlys

Nach Honningsvåg und zum Nordkap

Für heute hatten wir einen teuren Ausflug gekauft: den Nordkapausflug für 1488 NOK = 149 €.

Frühstück war wie meist auch um 8 Uhr, die Dämmerung begann gegen 09:30 Uhr und um 14 Uhr war es bereits wieder dunkel.

Als wir gegen 9 Uhr Havøysund erreichten, saß ich bereits wieder in der Pan­oramabar. Um 10:15 hörte ich einen interessanten Vortrag über den Ma­gerøysundet, der die Nordkapinsel Magerøya von der Porsanger-Halbinsel trennt. Dann trafen Waldemar und ich uns bereits kurz nach halb 11 Uhr im Restaurant. Wir wollten nicht hungrig starten. Ich beschränkte mich auf Sup­pe, von der ich allerdings reichlich nahm, und Nachtisch. Zur Suppe aß ich Kekse.

Am Tag vorher hatte Marco uns über die Wettervorhersage am Nordkap in­formiert: -3° C, nach 14 Uhr erst -4° C, kein Niederschlag, eine frische Brise, d.h. Windstärke 5 mit Windgeschwindigkeiten zwischen 8 und 10 Metern/Se­kunde, deutlich hörbarem Wind, mäßigen Wellen von großer Länge und über­all Schaumköpfen und für das Gefühl schon unangenehm.

Entsprechend zog ich mich für die Exkursion um: lange Unterwäsche, grauen Rollkragenpullover, weißen Pullover, meine Kapuzenjacke, die nie fehlen durfte, und die Regenjacke, dazu Handschuhe und die Wollmütze .

Am Nordkap

Eine Stunde dauerte die Fahrt vom Hafen zum Nordkap. Alle fünf Busse fuh­ren mit Schneeketten, denn zwei längere Steigungen waren zu überwinden.

Im Westen war noch ein hell-gelb-roter Lichtschein zu erkennen, vor uns be­reits die Dämmerung. Unterwegs erzählte unser Reiseleiter, ein Deutscher, der seit 1970 hier oben in Norwegen lebt, viel Wissenswertes und Interessan­tes:

Früher schwammen die Rentiere durch den Sund zur Nordkapinsel. Weil die Winterweiden inzwischen nicht mehr genügend Nahrung bieten und die Tiere zu schwach zum Schwimmen sind, wurden sie dann mit Schiffen transportiert und heute werden sie durch den Tunnel gefahren.

Auch die Lebensverhältnisse haben sich in letzter Zeit verändert. Es gibt nur noch fünf kleine Orte und Honningsvåg auf der Insel. Schulen und Geschäfte gibt es nur noch in der Hafenstadt. Doch die medizinische Versorgung ist gut: eine Krankenstation mit fünf Ärzten, aber nur ein Zahnarzt; da wird Nach­wuchs gebraucht.

Detaillierte Informationen zum Zweiten Weltkrieg erfuhren wir während der Rückfahrt.

In der Nordkaphalle erledigten Waldemar und ich unsere wichtigen Einkäufe, für Birte zwei Trolle den von ihr gewünschten Troll mit der Bauchbinde und Aufschrift Nordkapp konnten Waldemar und nirgends finden und für Tam­mo, Joshua und Lasse jeweils einen Nordkapbecher. Einen Teil der in Norwe­gen extrem hohen Mehrwertsteuer konnte ich mir in Bergen zurückholen. Für Gunda hatte ich schon im Polarmuseum in Tromsø einen weißen geschnitz­ten Eisbär erworben. Alle meine Mitbringsel kamen gut an, sie gefielen.

Doch Marcos Wettervorhersage stimmte nicht ganz. Laut Anzeigen im Bus war es draußen -4° C kalt, gefühlte -10° C. Unser erster Weg führte uns, wie die meisten Mitreisenden auch, zum Globus. Als wir zu den Skulpturen gin­gen trieb uns der Wind reichlich Schnee ins Gesicht. War es Schneefall oder nur aufgewirbelter Schnee? Der Wind trieb ihn jedenfalls vor sich her. Daher hielten wir uns draußen nicht lange auf, sondern besuchten die kleine Kapelle der Stille sowie die Kapelle des Siam-Königs Chulalongkorn. Vor den ver­schiedenen Schaukästen und der Wand mit verschiedenen Seevögeln ver­weilten wir längere Zeit.

Weiter nach Båtsfjord

Als wir wieder auf der MS Polarlys waren, war es bereits wieder dunkel. Ich saß jetzt an einer Seite in der Panoramabar, machte es mir bequem und ver­schickte schon jetzt die ersten Apps.

In Kjøllefjord (17:00 bis 17:15 Uhr) sah ich dem Beladen zu und entdeckte große Fischgestelle fast noch im Hafen, bei unserem nächsten 15 minütigem Halt in Mehamn stieg niemand ein und Ladetätigkeiten fanden auch nicht statt.

Am Nachmittag fand ein Vortrag über die Samen statt und nach dem Abend­essen ein Film über die Hurtigruten. Den Vortrag hörten wir uns beide an, den Werbefilm sah nur Waldemar.

An diesem Abend gab es noch einmal das Nordlicht zu sehen, diesmal hell­grün mit einigen Streifen dazwischen; es war sehr schön anzusehen. Wäre es nur nicht so windig-kalt gewesen! Um es fotografieren zu können, hätte ich ein Stativ und eine besondere Kamera haben müssen.

Von 18 Uhr etwa bis zum frühen Morgen befuhren wir einen Tel der Barents­see. Trotz dieser normalerweise sehr windigen Passage bemerkte ich kaum irgendwelche Schlinger- oder Stampfbewegungen. Es wurde eine ruhige Überfahrt.

Morgen steigen die Chinesen aus.

Dienstag, 12. Dezember

Der siebte Tag an Bord der MS Polarlys

Zum Wendepunkt unserer Fahrt

Die MS Polarlys hatte die Barentssee verlassen und war in den Varangerfjord eingefahren. In dieser Gegend soll es besonders stürmisch sein, doch davon habe ich nichts mitbekommen. Das kam erst im Varangerfjord.

Als wir uns dem nächsten Hafen Vardø näherten, hatte ich zunächst ausge­schlafen und schlich durch die menschenleeren Gänge und Treppenhäuser um auf das Aussichtsdeck zu gelangen. Es war draußen nicht kalt, sternen­klar, aber windig. Die Mondsichel, zunehmender Mond, erhellte den Himmel.

Heute sah ich etwas, was ich nicht vermutet hätte: Während des Anlegens wurden bereits die Ladeluke und die Gangway geöffnet. Das dauerte, bis das Schiff festgemacht hatte. Eine Palette wurde eingeladen, ein Auto und zwei Reisende wollten mit. Gerade als die MS Polarlys ablegen wollte, kamen noch zwei Passagiere und die Einstiegsrampe wurde noch einmal ausgefah­ren.

Ich verzog mich wieder in meine Kabine, krabbelte in meine Koje und schlief noch eine Runde. Hinter Vadsø, auf der Varangerhalbinsel, stand ich dann auf. Zur gewohnten Zeit frühstückten Waldemar und ich und es wurde allmäh­lich hell, als wir in Kirkenes gegen 9 Uhr anlegten. Mit uns stiegen die meis­ten Chinesen mit ihrem Koch aus und alle, die nur die Hinfahrt nach Kirkenes gebucht hatten. Fünf Busse standen bereit. Ein Bus für uns.

Wir hatten einen ganz spannenden Ausflug gebucht: die Fahrt in die Ver­gangenheit und an die Grenze. Vom außerhalb der Stadt befindlichen Anleger fuhren wir zunächst in die Stadt zur Andersgrotta, wo uns ein Guide erwarte­te.

Die Andersgrotta in Kirkenes

Die Andersgrotta ist ein Luftschutzbunker, den norwegische Bergleute des nahen Eisenerzbergwerkes für ihre Landsleute zum Schutz gegen die ständig zunehmenden sowjetischen Luftangriffe in den Felsen unter der Stadt ge­sprengt hatten. Durch einen langen Stollen gelangten wir in einen großen Raum, wo wir über die Ereignisse aus dem Zweiten Weltkrieg bestens in­formiert wurden. Über 2.000 Personen fanden darin Platz. Anhand von drei Kurzfilmen veranschaulichte der Guide seinen Vortrag: die letzte friedliche Zeit vor dem deutschen Einmarsch, die Zeit während der deutschen Besat­zung und den Wiederaufbau.

Während des Kalten Krieges sollte dieser Bunker durch Betonstreben und zu­sätzliche Stützen atombombensicher gemacht werden, auch Toiletten wur­den eingebaut. Doch die Luftversorgung, die schon während des Weltkrieges so unzureichend war, dass nach jedem Angriff die Menschen den Bunker verlas­sen mussten und der Bunker gelüftet werden musste. Die Luftschächte wur­den während der Angriffe mit Stahlplatten zugeschraubt. Dieses Problem der Be- und Entlüftung bestand trotz einiger Verbesserungen auch noch in den späteren Jahren. Norwegen befürchtete anfangs einen sowjetischen Atom­schlag und später einen Unglücksfall, da im nahen Murmansk Atom-U-Boote stationiert waren.

Dann gingen wir zu dem Denkmal für die sowjetischen Befreier 1944. Da sich nach dem Krieg die politischen Verhältnisse jedoch änderten, erfuhr auch die­ses Denkmal welche. Der Rotarmist wurde immer kleiner und stellte sein rechtes Bein nicht mehr auf einen Adler, das Symbol für das Deutsche Reich und die Bundesrepublik, sondern auf einen Stein.

Die Exkursion zur norwegisch-russischen Grenze

Bei unserer Fahrt zur etwa 10 Kilometer entfernten Grenze kamen wir an ei­nem kleinen dunklen Holzhaus vorbei, dem russischen Generalkonsulat, wo Visa beantragt werden konnten.

Der etwa 100 Kilometer lange Fluss Pasvik ist die natürliche Grenze zwi­schen Norwegen und Russland. Da eine russisch-orthodoxe Kapelle jedoch auf norwegischem Gebiet stand und die gläubigen Russen dieses Gottes­haus behalten sollten, wurde bei der endgültigen Grenzfestlegung ein kleines Gebiet um diese Kirche herum Russland zugeteilt, während Norwegen als Ausgleich ein wesentlich größeres Gebiet auf der anderen Seite des Flusses erhielt.

Wir überquerten den Fluss und erreichten dann den Grenzübergang Skors­kog, der erst seit der 1990-er Jahren existiert. 1998 stand ich mit Birte schon einmal dort; damals war er noch stark befestigt. Seit dem Schengenabkom­men ist er auch für den kleinen Grenzverkehr geöffnet. Russen aus einem 30 Kilometer breiten Streifen dürfen mit einem Visum in Kirkenes einkaufen.

Da in Kirkenes Babywindeln subventioniert werden, um auf diese Weise ein Bevölkerungswachstum zu erreichen, ist dieser Artikel für die Russen beson­ders interessant, genauso wie viele Konsumgüter, die nach Meinung der Rus­sen eine viel bessere Qualität als die eigenen hätten, was, wie unser Reise­leiter sagte, nicht stimmt. Während wir in Skorskog waren, fuhren etliche rus­sische Fahrzeuge an uns vorbei.

In dem kleinen Kiosk vor dem Grenzübergang gibt es neben Postkarten und den üblichen Denkmälern ein enormes Angebot an russischen und norwegi­schen Waren. Der Platz im Inneren reichte nicht aus und viele Neugierige warteten vor der Tür.

Etwa abseits der Straße steht das östlichste Toilettenhäuschen Norwegens.

Auf der direkten, schnellen Straße fuhren wir nach Kirkenes zurück. Ein noch nicht lange fertiggestellter Tunnel verkürzte die Strecken um einige Minuten Fahrzeit.

Das Eisenerzbergwerk, das für die Rohstoffversorgung des Dritten Reiches wichtig war, wurde 2015 endgültig stillgelegt, auch die nur wenige Kilometer lange Eisenbahnstrecke zwischen dem Bergwerk und dem Verladehafen.

Als wir kurz vor dem Hurtigrutenkai am Hafen vorbeifuhren, wurden wir noch über die Bedeutung der Königskrabben informiert. Als diese von den Russen in der Barentssee ausgesetzt wurden, betrachteten die norwegischen Fischer sie zuerst als Bedrohung, doch dann entdeckte man die wirtschaftliche Be­deutung dieser sich stark vermehrenden Tiere. Sie werden heute exportiert, besonders nach Japan, wo sie als Delikatesse gehandelt werden.

Einige dieser Tiere werden auch in einem Aquarium in der Panoramabar ge­halten.

Am Hurtigrutenkai strömten Massen von Passagieren in einen kleinen Kiosk. Als ich 1998 mit Birte an einem Sonntag dort war, war er geschlossen, so­dass wir erst auf der MS Vesterålen frühstücken konnten .

Die Rückfahrt

Kurz nach dem Beginn unserer Rückfahrt war es gegen 13 Uhr bereits wieder dunkel. Die Polarnacht dauert vom 27. November bis zum 16. Januar, die Zeit der Mitternachtssonne vom 15. Mai bis 28. Juli in Kirkenes.

Am Nachmittag gab es wieder einen interessanten Vortrag, diesmal über die Hexenverbrennungen in Vardø.

Bei völliger Finsternis erreichten wir Vardø, wo uns ein über einen Kilometer langer Fußweg zum Schluss querfeldein erwartete. Eine lange Schlange be­wegte sich zum Mahnmal. Dabei geriet ich öfter in eine Schneewehe oder ein tieferes Schneeloch, doch meine Stiefel waren dicht, ich behielt trockene und vor allem warme Füße.

Wir gingen hintereinander durch einen langen dunklen Gang, von dessen De­cke für jedes Opfer eine nackte Glühbirne hing und die Gerichtsakte. Es wur­de schnell ganz still, bedrückend, beängstigend still, als wir den Gang betre­ten hatten. Dann verließen wir dieses dreieckige, zeltartige Bauwerk mit den nachgebenden Wänden und gelangten in ein geschlossenes Quadrat, in einen Metallkasten. In dessen Mitte war ein Betonring, der Scheiterhaufen, von dem es kein Entrinnen gab, in dem ein Stuhl im Feuer stand, darüber ei­nige Spiegel, in denen sich das flache Feuer spiegelte. Das Feuer lockte viele Zuschauer an.

Es ist ein würdiges, nachdenklich machendes Mahnmal. Erschreckend, was Christen ihren Mitmenschen antaten!

Auf einem anderen, ebenso unwegsamen Weg gingen wir stolpernd zurück. Dabei kamen wir auch an der Festung Vardø hus vorbei.

Mittwoch, 13. Dezember

Der achte Tag an Bord der MS Polarlys

Nach Hammerfest

Bei leichtem Schneetreiben legte die MS Polarlys in Havøsund an. Viel Lade­gut stand bereit. Diesmal sah ich nicht zu, sondern ging in das Restaurant zum Frühstück.

Da gab es eine Überraschung: Santa Lucia zog singend mit ihrem Gefolge Servicepersonal und Marcus durch das Restaurant. Am Ende ihres Umzu­ges stellten sie sich noch einmal in einer Reihe vor dem Buffet auf.

Ich hatte mich schon gewundert, dass vor dem Umzug keine Bedienung zu sehen war. Jetzt wusste ich Bescheid und bald danach ging es im Restaurant geschäftig zu wie immer.

Bis Hammerfest saß ich fast allein in der Panoramabar. Mein Nachbar schnarchte.

Um 10 Uhr war es noch fast finster. Trotzdem war ich um 10:15 Uhr auf dem Aussichtsdeck. Dort informierte Jan uns über die Bedeutung des Erdöls und Erdgases für Norwegen. Geschicktes Verhandeln gewährt dem norwegischen Staat kalkulierbare Einnahmen. Norwegen betreibt den größten Teil der För­der- und Verarbeitungsanlagen selbst und verkauft das Gas und Öl. Andere Staaten haben ihre Vorkommen verkauft und haben dadurch wesentlich weni­ger Einnahmen aus dem Erdöl- und Erdgasgeschäft.

Aus einem 150 Kilometer nördlich gelegenen Erdgasfeld wird das Erdgas durch unterirdische Leitungen nach Hammerfest gepumpt, wo auf einer klei­nen Insel eine Verflüssigungsanlage für Erdgas steht. Das Gas wird auf -170° C gekühlt, dadurch flüssig und ist so besser zu transportieren. Schiffe bringen das verflüssigte Erdgas nach Südeuropa und in die USA.

Von Hammerfest konnten wir die Lichter dieser Anlage sehen.

Nach Jans Vortrag schenkte Marco einen Energiedrink aus, an dem jah­relang mit vielen Experimenten gearbeitet worden war, wie Marco erklärte. Es war eine Mischung aus Kaffee und Schokolade, heiß und schmeckte pri­ma.

Wenig später legten wir in Hammerfest an. Waldemar und ich erkundeten die Stadt, denn wir hatten uns für keinen der angebotenen Ausflüge angemeldet. Beim Eisbärenclub, in dem Birte seit unserem Besuch 1998 Mitglied ist, be­gann unser Spaziergang. Das Schneetreiben wurde immer dichter, als wir zur Kirche gingen.

Da Hammerfest im Zweiten Weltkrieg total zerstört wurde, bauten deutsche Freiwillige die evangelisch-lutherische Kirche auf. Obwohl es draußen nicht gerade hell war, strahlte trotzdem das bunte Fenster über dem Altar. Auch in dieser Kirche standen Utensilien, die für ein Konzert benötigt werden.

Die katholische Kinder fanden wir durch Zufall. Ein Mönch begrüßte uns, als wir vorsichtig die Tür öffneten, und lud uns zum Besuch der Kirche ein. Der Gottesdienstraum im ersten Stock ist sehr geschmackvoll und schlicht gestal­tet, deswegen gefiel er mir.

Auf der Hauptstraße gingen wir zurück zum Schiff. Als ich den Pavillon im kleinen Park entdeckte, kamen wieder alte Erinnerungen an 1998 auf, doch an dessen Bedeutung konnte ich mich nicht mehr erinnern. Dort verlor ich Waldemar, der auf dem kürzesten Weg zum Schiff eilte, während ich noch kurz in die Ausstellung des Eisbärenclubs sah. Mit mir waren viele Passagie­re der MS Polarlys da, die mit irgendwelchen Käufen schwer beschäftigt wa­ren.

Nach Tromsø

Wegen unseres Stadtausfluges aßen wir heute etwas später. Und es wurde schon wieder dunkel.

Um 14:30 Uhr fand eine Rettungsübung für die Schiffsbesatzung statt, sie sammelten sich an ihren vorgesehenen Plätzen. Wir waren nicht betroffen. Ich wartete, dass vielleicht auch ein Rettungsboot zu Wasser gelassen würde oder etwas Spekulatives geschähe, doch nichts dergleichen. Alles blieb ruhig; ein offizielles Ende wurde auch nicht verkündet.

Der im täglichen Dagsprogram angekündigte Vortrag Das norwegische Öl- und Gasabenteuer war sehr interessant. Die Erdöl- und Gasförderung hat heute die größte wirtschaftliche Bedeutung, dann kommt die Lachszucht in den Fjorden, die ständig ausgebaut wird, und der Verkauf in alle Welt als zweites Standbein. Der Tourismus ist für Norwegen auch wichtig und erfährt immer mehr Interesse.

Das zeigte sich sogar auf der MS Polarlys, wo täglich ein Vortrag und eine aktuelle Information über die Landschaft oder das gerade befahrene Gewäs­ser stattfanden, und das riesige Angebot von Ausflügen während der gesam­ten Fahrt. Bei meiner ersten Hurtigrutenfahrt war dieses Angebot erheblich kleiner.

Bis zum Abendessen und auch danach unternahm ich eigentlich nichts. Den Lichtbildervortrag Hurtigruten in der Antarktis besuchte nur Waldemar. Weil ich dort wahrscheinlich nicht mehr hinfahren werde und auch schon einige Hurtigruten-Werbefilme über das Gebiet gesehen hatte, blieb ich in meinem Aus­sichtssessel sitzen.

Und dann legten wir in Tromsø an. Hier wartete wieder ein besonderes Erleb­nis auf uns: der Besuch eines weihnachtlichen Mitternachtskonzertes.

Vor der Kathedrale stand ein großer leuchtender Weihnachtsbaum und der Eingang war taghell angestrahlt. Schon dies war eine schöne Einstimmung auf das Konzert. Die Sopranistin begrüßte uns.

Die Liegezeit der MS Polarlys reichte gerade so aus, dass wir mit dem Bus zur Eismeerkathedrale fahren und das Konzert genießen konnten. Es war eine Aufführung nur für die Gäste der Hurtigrutenschiffe.

Donnerstag, 14. Dezember

Der neunte Tag an Bord der Polarlys

Durch die Risøyrenna

Um 09:15 Uhr waren die schneebedeckten Berge bereits zu erkennen, gegen 10 Uhr war es hell. Dass wir in südlicher Richtung unterwegs waren, war bereits an den eher beginnenden helleren Phasen zu erkennen. Ich saß wie­der in der Panoramabar. Vor uns waren dunkle Wolken, hinter uns helle Strei­fen.

Bald kamen wir in die 4,5 Kilometer lange Risøyrenna, den 1922 ausgebag­gerten Risøykanal.

Wenn ich bei Jans Vortrag aufgepasst habe, trennt diese kanalisierte Rinne die beiden zu den Vesterålen gehörenden Inseln Hinnøya und Andøya. Bei Risøyhamn auf Hinnøya, der größten Insel der Vesterålen, verbindet eine 30 Meter hohe und 750 Meter lange Brücke diese beiden Inseln. In Risøyhamn steht ein Gedenkstein, den drei norwegische Könige signiert haben: Haakon VII. 1922 bei der Einweihung des Risøykanals, Olav V. um 1960 und Harald V. 2012.

Während unserer Weiterfahrt passierten wir noch weitere Brücken dieser Bauart, u.a. die 961 Meter lange Brücke über den Sortlandsund und die 1020 Meter lange Brücke, die die Inseln Hadsel und Langøya verbindet.

Durch die Risøyrenna war eine spannende Fahrt.

In Sortland saßen wir im Restaurant zum Mittagessen. Dadurch hatten wir für einen Ortsbummel keine Zeit, sodass uns die vielen in verschiedenen Blautönen angestrichenen Häuser entgangen sind. Schade!

-1° C, kein Schneefall und um 14 Uhr schon wieder Dunkelheit.

Stokmarknes

Die nächste Station war Stokmarknes, wo wir das Hurtigrutenmuseum be­suchten. 50 NOK oder 5 € kostete der Eintritt. Waldemar interessierte haupt­sächlich das Museum, während mich mehr die dort 1956 in Dienst gestellte und 1993 ausgemusterte MS Finnmarken interessierte. Ich erinnerte mich noch an das in meinen Augen vollgemüllte Außendeck. Diesmal sah ich mir alles etwas genauer an und musste feststellen, dass dort lauter für den Be­trieb benötigte Gerätschaften wohl geordnet lagen: u.a. aufgerollte Seile und Taue, Strickleitern, Rettungswesten, klappbare Liegestühle für die Passagiere und ähnliches.

Das Innere war schon damals für die Reisenden gemütlich eingerichtet, das gilt vielleicht nicht für alle Kabinen und richtete sich auch damals schon nach den Kosten. Aber die Unterkünfte der Besatzung waren doch arg klein. Einige Rettungsboote der MS Finnmarken lagen als Aufreißer vor der MS Finnmar­ken.

Gegen die weitere Zerstörung durch Wetter und Umweltschädigungen hat die MS Finnmarken inzwischen ein nicht gerade attraktives Blechdach bekom­men. Für einen besseren Schutz fehlt dem Privatbetreiber noch das erforder­liche Geld.

Svolvær

Weil um 18:40 Uhr der Ausflug Die Lofoten per Pferd startete, war das Lofo­tenbuffet bereits ab 17:30 Uhr geöffnet. Wir hatten uns für einen Rundgang durch den Fischerort Svinøya angemeldet, doch wegen zu geringer Anmel­dungen fiel dieser aus. So suchten wir auf eigene Faust den Weg dorthin.

Wir gingen direkt am Hafen entlang, an mit vielen strahlenden Lichterketten geschmückten Häusern auf eine ebenfalls beleuchtete Brücke zu. Dort ver­muteten wir die Rorbuer, was ein Irrtum war.

Wir mussten die hohe Brücke überqueren und waren dann schon im Ortsteil Svinøya. Trockengestelle lockten uns und führten uns auf den richtigen Weg zu den Rorbuern. Diese modernisierten und teilweise auf Stelzen über dem Wasser stehenden ehemaligen Fischerhütten waren zum Teil dauerhaft be­wohnt oder als Ferienhäuser zu mieten. Sie hatten schon äußerlich nichts mehr mit den alten Fischerhütten des vorletzten Jahrhunderts gemeinsam. Heute machte dieses ehemalige Fischerdorf einen recht vornehmen Ein­druck.

Vielleicht waren wir aber auch nicht bis in das wirklich alte Dorf gelangt, denn es gab noch einen weiteren Wegweiser zu Rorbuern.

Vor dem Trollfjord

Sehr spät wurden wir noch einmal auf Deck gerufen, denn die MS Polarlys hatte die Einfahrt zum Trollfjord erreicht. Wegen des heftigen Schneetreibens war die Einfahrt nicht zu sehen. Sie wurde von zwei Scheinwerfern an­gestrahlt, sodass manchmal ein dunkles Loch und schemenhaft die Berge an der Einfahrt erahnt werden konnten.

Hinter Stamsund verließen wir die Lofoten und strebten über den Vestfjord dem Festland zu. Die MS Polarlys schaukelte wieder etwas.

Freitag, 15. Dezember

Der zehnte Tag an Bord der MS Polarlys

Über den Polarkreis nach Rørvik

Ich hatte verschlafen und wurde durch Marcos erste Durchsage geweckt. So kam ich 15 Minuten zu spät zum Frühstück. Dadurch lernte ich aber Ingvild, meinen Zimmerservice kennen und konnte ihr persönlich einen Obulus über­reichen.

Wir überquerten um 09:25 auf unserer Rückfahrt wieder den Polarkreis. Dies­mal war der Globus auf der Schäre an der Steuerbordseite gut zu sehen. Er war fast zum Greifen nah. Und da wollte mein Fotoapparat nicht! Ich hatte vergessen ihn zu laden!

Ich ergatterte für Waldemar und mich noch einen Platz in der Panoramabar. Es wurde zusehends heller, Sonnenschein über der Seeseite. Beim nächsten Hafen Nesna waren Wolkenstreifen am Horizont zu sehen. Die MS Polarlys fuhr sehr dicht an den Inseln und Schären sowie den Seezeichen vorbei. Ein Seezeichen, das auf einer flachen Inseln im Wasser stand, sah aus der Ent­fernung wie ein Angler aus.

Gerade als wir beim Mittagessen saßen, kündigte Marco die über 1000 Meter Helgelandbrücke an. Sie wurde zwischen 1989 und 1991 erbaut und ist eine der größten Schrägseilbrücken der Welt. Sie verbindet den Ort Sandnesjøen auf der Insel Alsten mit dem Festland.

Gegen 13:20 Uhr erreichten wir Die Sieben Schwestern, eine Bergformation auf der Insel Alsten. Der Sage nach verfolgte König Hestmannen, von dem ein Berg auf einer kleinen Insel seinen Namen, den Namen Hengst, erhielt, die sieben Jungfrauen. Erschöpft warfen sie sich nieder, schliefen ein und wurden bei Sonnenaufgang zu Stein.

Von 13:30 Uhr bis 14:05 ging die Sonne unter, eine lange Zeit, wie ich meine. Um 14:45 Uhr war es schon wieder fast dunkel. Einen so schönen Sonnen­untergang sah ich während der letzten Tage unserer Reise nicht wieder, hat­te sie aber auch vorher nicht erlebt.

Waldemar hörte sich Jans Vortrag Mythen und Legenden an, während ich in der Panoramabar blieb. Den Film Bilder aus Norwegen mit Musik von Edvard Grieg sahen wir uns beide an. Es war schade, dass Waldemar und ich dies­mal nicht nebeneinander saßen, denn so konnte ich ihm nicht zuflüstern, wel­che Sehenswürdigkeit gerade gezeigt wurde, z.B. den Preikestolen oder Griegs Geburtshaus und sein Komponierhäuschen, das Museumsviertel und die Hansehäuser aus dem Mittelalter in Bergen, den Latefoss, das Schloss und den Vigelandspark in Oslo, alles Orte, wo Birte und ich 1996 gewesen waren. Ich glaube sogar, dass auch der Lysefjord gezeigt wurde.

Griegs Musik begleitete den Film; die einzelnen Musikstücke passten immer zu der Stimmung der gezeigten Filmsequenzen, bei Wasserfällen war sie bei­spielsweise lauter, dramatisch, schnell, in Griegs Haus jedoch lieblich, anmu­tig. Es war ein gelungener Film. Ihn hätte ich mir auch noch ein zweites Mal angesehen.

In Brønnøsund

Wir hatten die von den Hurtigruten angebotene Führung durch Brønnøsund nicht gebucht und wollten den Ort selbst erkunden. Dabei gingen wir durch ein Kaufhaus; mehrstöckig, verschiedene Ebenen, einige Seitenarme und ein großes Angebot. Nach den Preisen guckten wir nicht, wir suchten ja auch nichts. Es war das einzige Geschäft, das wir während unserer Rundreise be­suchten.

Am Ende unseres Rundganges hatten wir großes Glück, denn als wir die Kir­che erreichten, sahen wir darin Licht. Sie war geöffnet, weil die Gruppe von der MS Polarlys sie besichtigte, und nun auch noch wir. Typisch nordisch schlicht, aber mit sehr schön verzierten Stühlen im Altarbereich.

Die Führung war beendet, die Tür wurde abgeschlossen, und wir mussten die Kirche verlassen, sonst wären wir eingeschlossen worden. Dieser Abstecher lohnte. Wir sahen das Innere der Kirche und hatten 500 NOK gespart, was den Stadtführer nicht unbedingt erfreute, so guckte er jedenfalls; verständlich, denn unser Eintritt war ihm entgangen..

Vor der Kirche stand eine Stele, in die die Namen der im Zweiten Weltkrieg gefallenen Norweger und der Name eines nach Deutschland ins Konzentrati­onslager deportierten Mannes eingraviert waren.

Von Brønnøsund zum Nordkap ist es genauso weit wie zur Südspiitze Norwe­gens, dem Kap Lindesnes, nämlich 840 Kilometer Luftlinie. Dort war ich 1971 mit Gunda gewesen.

Das Kapitänsdinner

Heute fanden wir uns zur gewohnten Zeit im Restaurant zum Abendessen ein, zum Kapitänsdinner. Der Kapitän, ein weiterer Offizier, die Hotelmanage­rin und Marco begrüßten uns mit einem Glas Sekt, anschließend gingen sie durch alle Gänge, prosteten uns Gästen zu und nahmen dann am Kapitäns­tisch Platz.

Und dann wurde das Menü sehr ansprechend nach dem Motto das Auge isst auch mit serviert:

Vorspeise: Mit Kräutern gebackener Stockfisch von Halvors, mit halb ge­trockneten Tomaten, Meerrettichcreme und Sauerkraut;

Hauptgericht: Kalb aus Trøndelag mit Pilzen, Räucher-Schinkenspeck aus Mydland und grüne Bohnen;

Nachtisch: Suksessterte mit gerösteten Mandeln, einer Creme aus Eiern aus dem Küstenort Rørvik.

Gegen 20:30 Uhr erreichte die MS Polarlys den Hafen Røros. Diesmal fan­den wir sofort den Weg zum Küstenmuseum, das aber geschlossen war. Der interessante Neubau wurde blau angestrahlt.

Die MS Spitsbergen, eigentlich ein Expeditionsschiff für Fahrten in entfernte kalte Gewässer und Gebiete, lag zur gleichen Zeit im Hafen. Der Bug hatte eine andere Form als die anderen Hurtigrutenschiffe, etwas flacher und brei­ter. Wir sahen dem Beladen eine Zeitlang zu.

Waldemar zog sich in seine Kabine zurück, um ein Handballspiel der Welt­meisterschaft der Damen zu sehen. Norwegen unterlag Frankreich im Finale. Die Norweger hatten gehofft, dass es zu einem Endspiel zwischen Norwegen und Schweden kommen würde, doch die Schweden unterlagen Frankreich im Halbfinale und spielten um Platz 3, den die Niederländerinnen gewannen.

Ich konnte Teile dieser Spiele in der Panoramabar auch sehen und erlebte gleichzeitig noch die Reaktionen der norwegischen Passagiere. Je näher das Spielende kam, desto ruhiger wurden die Norweger. Es war ein spannendes Spiel, dass leider viel zu oft von Werbung unterbrochen wurde.

Samstag, 16. Dezember

Der zwölfte Tag auf der MS Polarlys

In Trondheim

Als wir gegen 7 Uhr in Trondheim ankamen, war es noch dunkel. Heute früh­stückten wir wieder um halb acht Uhr und brachen zu Fuß in die Innenstadt auf. Wir wollten zur alten Brücke. Ich erkundigte mich nach dem Weg dorthin und bekam zwei unterschiedliche Antworten: Marco gab mir den Rat, am Kreisel links zu gehen und dann immer am Wasser entlang, während Jan mir den Weg am Bahnhof vorbei empfahl. Vielleicht hätten wir diesen Weg schneller gefunden?

Wir folgten jedenfalls Marcos Rat, doch als wir zum Wasser, dem Fluss, woll­ten, kamen wir nicht über die viel befahrene vierspurige Straße und gelangten schließlich doch noch ans Wasser; aber dieser Weg führte an einem Seiten­arm entlang und endete dort. Wir waren falsch gelaufen. Oder ich hatte nicht richtig zugehört? Kurzentschlossen nahmen wir ein Taxi und wurden für 120 NOK, also 12 €, zu unserem Ziel gebracht.

Es war immer noch nicht richtig hell, als wir uns die interessante Konstruktion der Brücke ansahen und auf die schönen ehemaligen Lagerhäuser an beiden Seiten des Flusses blickten.

Zurück gingen wir dann auf der Straße an den ehemaligen Lagerhäusern ent­lang und mussten feststellen, dass sie fast alle zu Restaurants und ähnlichen Betrieben umgebaut worden waren. Einige standen auch leer und die Schil­der verrieten, dass sie zu verkaufen waren. Weihnachtlich geschmückte Straßen führten in die Innenstadt.

Unser Stadtausflug dauerte fast zwei Stunden, hatten am Anleger aber noch Zeit genug um beim Beladen der beiden Schiffe MS Polarlys und Nordlys (1994) zusehen zu können.

Nach Molde

Nachdem wir die Insel Munkholmen, über die Jan die in Kirkenes Zugestiege­nen informierte, passiert hatten, erklärte Marco das Ausschiffen in Bergen.

Nun erfuhren wir, dass wir bis 09:00 Uhr unser Gepäck in der Nähe der Auf­züge abstellen sollten, Mitarbeiter der MS Polarlys würden sie dann nach der Ankunft von Bord bringen und wir könnten sie am Gepäckterminal der Hur­tigruten abholen, die Kabinen müssten bis 10.00 Uhr geräumt sein. Ausstieg sei in Bergen vom Deck 5, wo wir die MS Polarlys auch betreten hatten. Unterwegs stiegen wir immer auf Deck 3 ein und aus. Um 14:30 müssten wir sofort nach der Ankunft in Bergen mit unserem Gepäck von Bord gehen. Busse stünden für den Transfer zum Flughafen bereit. Das Gepäck würde in Amsterdam automatisch auf die Flugzeuge verteilt und zu unseren Zielorten gebracht, entweder nach Hamburg oder Zürich, denn aus der Schweiz waren viele Reisende an Bord. Mit einem Hamburger, der schon lange in der Schweiz lebt, hatte ich mich öfter unterhalten, wenn wir in der Panoramabar nebeneinander saßen.

Trinkgeld sei in Norwegen nicht unbedingt erforderlich, wir könnten aber in ein Glas am Eingang des Restaurants etwas Geld stecken, das würde dann an alle, auch an das Personal, von dem wir niemanden gesehen hätten, gleichmäßig verteilt. Eine gute Idee!

Als wir kurz vor dem Mittagessen in offenes Fahrwasser kamen, begann es zu schneien. Kein Land war mehr zu sehen, alles war grau um uns herum, der Wind trieb den Schnee über das Vorderdeck.

Um 15 Uhr fand zum ersten Mal eine Veranstaltung für Freunde des Tanzens statt: Linedance unter der Leitung der, wie Marco ankündigte, wunderbaren Amanda, die sonst im Servicebereich tätig ist. Einige Passagiere tanzten mit.

Kristiansund, den nächsten Hafen liefen wir bereits wieder bei völliger Dun­kelheit an. Waldemar und ich saßen vorn in der Panoramabar und gönnten uns eine Tasse Kaffee bzw. einen Becher Schokolade; sie war schrecklich süß, aber wunderbar heiß.

Heute Abend gab es als Vorspeise Rentierfleisch, auf das ich mich schon freute, und Kalbsfleisch als Hauptgericht. Ich wurde aber enttäuscht, denn das Rentierfleisch war wenig gewürzt und das Kalbfleisch ungewöhnlich zäh.

Kurz vor Molde kamen wir wieder an einem Erdgasfeld vorbei, das 20 Pro­zent des englischen Bedarfs abdeckt. Wenig später begegnete uns die nord­gehende MS Nordkapp (1996).

Obwohl in Molde schon Nacht war, wollten wir beide uns noch etwas bewe­gen. Eine halbe Stunde hatten wir Zeit um bis zur Kirche zu gehen. Am Ro­senmädchen sahen wir einen Wegweiser zum Rosengarten; dort war ich aber noch nie.

Es war unser letzter Abend an Bord. Und der musste gefeiert werden. Wir ge­nehmigten uns zwei Glas Hurtigrutenwein, die Hausmarke der Hurtigruten, und zugleich auch den billigsten Wein. Ein Glas kostete nur 92 Kronen, also 9,20 €. Aber er schmeckte gut.

Als Nichtweintrinker schmeckte er mir sogar besser als der trockene und halbtrockene Rheinwein.

Sonntag, 17. Dezember

Der zwölfte Tag an Bord der Polarlys

Der letzte Tag unserer Polarnachtfahrt

Heute hieß es Abschied nehmen.

Ich befürchtete, dass wir unseren letzten Zug von Hamburg nach Uelzen nicht bekommen könnten, falls unser Flugzeug aus Amsterdam Verspätung haben sollte. Gunda musste sich deswegen noch einmal im Reisebüro bei Herrn Krewega nach einem Zug erkundigen, der später als der in unseren Reiseunterlagen angegebene fuhr. Es gab keinen weiteren mehr.

Der 13. Tag auf der MS Polarlys

Ob ich deswegen schon vor 5 Uhr aufwachte?

Jetzt spürte ich auch ein leichtes Schaukeln und Glucksen. War das der Grund?

Meinen Reisekoffer musste ich noch einmal neu packen, denn ich suchte einen Anhänger für meinen Handgepäckkoffer, auf den ich nicht den ganzen Tag aufpassen wollte; er lag natürlich ganz unten im großen Koffer.

Während der ganzen Fahrt bis kurz vor Bergen regnete es, mal mehr, mal weniger. Gegen 11:30 Uhr löste ein Schneeschauer den Regen ab. Das war ein guter Grund in der Panoramabar zu bleiben. Doch kurz vor unserem Ziel musste ich nach draußen an Deck. Es war zwar immer noch trübe und regne­risch. Heftiger Wind blies mir entgegen, als ich die ohnehin schwer zu öffnen­de Tür zum Außendeck aufmachte. Die Inseln und Schären sahen hier an­ders aus. Auf vielen wuchsen Bäume, meistens Nadelbäume, und Sträucher.

Die MS Polarlys fuhr manchmal sehr dicht an diesen niedrigen Inseln und In­selchen vorbei, manchmal sah es sogar so aus, als würde sie sie rammen. Doch unbeschadet und fast pünktlich kamen wir in Bergen an.

Marco verabschiedete jeden Passagier draußen auf dem Kai mit Handschlag.

Die Rückreise über Amsterdam und Hamburg

Dann eilten wir zu den bereit stehenden Bussen, die zum Flughafen fuhren. Einige Busse standen für die Passagiere bereit, die noch einen Tag in Bergen blieben um die Stadt anzusehen und hier noch eine Nacht verbrachten, bevor auch sie über Amsterdam die Rückreise antraten.

Unser Flugzeug der KLM, Flug KL 1190, wurde brechend voll, alle Plätze wa­ren belegt und die Handgepäckfächer ebenfalls. Einige Fluggäste hatten so­gar mehr als nur ein Stück Handgepäck dabei, und die dicken Jacken muss­ten auch hinein. Doch alle Klappen waren noch zu schließen, manchmal mit etwas Gewalt. Nach den üblichen Sicherheitsbelehrungen ging es dann et­was später endlich los.

In Amsterdam Schiphol hatten wir eineinhalb Stunden Zeit. Doch unser An­schluss wurde mit Verspätung angekündigt und flog zusätzlich auch noch von einem anderen Gate ab. Um dorthin zu kommen, mussten wir unendlich lan­ge Gänge entlanggehen und mehrmals in andere abbiegen. In der Wartezeit stärkten wir uns noch mit Mandarinen oder Clementinen, die ich vom Früh­stücksbuffet noch in mein Handtäschchen gesteckt hatte.

Mit einer halben Stunde Verspätung startete diese KLM-Maschine. Entspre­chend später kamen wir auf dem Helmut-Schmidt-Flughafen in Hamburg an.

Die S-Bahn brachte uns zum Hauptbahnhof und wir erreichten noch rechtzei­tig den für diesen Tag letzten Metronom nach Uelzen.

Waldemar brachte mich sicher nach Hause und war schon eine gute halbe Stunde später in Fallersleben.

Eine spannende Reise war leider zu Ende. Meine Vorstellungen von der Po­larnacht wurden etwas revidiert, es war finster, während ich von einem noch leicht bläulichen Nachthimmel ausgegangen war. In der Schule habe ich je­denfalls nichts Falsches erzählt. Und dann das Nordlicht. Zweimal durften wir es genießen.


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