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Spurensuche in der Provence

Frankreich
von Anne Nübling
erstellt am
14.11.2019

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Spurensuche in der Provence

Ich gehöre zu den 15 Glückspilzen, die für fünf Tage wie Gott in Frankreich leben dürfen. Auf Einladung von Wikinger-Reisen, Atout France und örtlichen Tourismusämtern reise ich Anfang April in die Provence.

Begleitet werden wir von unserer Wikinger-Reiseleiterin Claudia Schrader und Jérôme Poulalier, Leiter der Verkaufsförderung bei Atout France, der Französischen Zentrale für Tourismus in Frankfurt. Die beiden bilden ein perfektes Team, mit einem reichen Wissensschatz, der uns zugute kommt.

Mit 3000 Sonnenstunden im Jahr wirbt die Provence. Wir jedoch werden von Regen und ungemütlicher Kühle empfangen. Auch am Nachmittag, nach der Busfahrt vom Flughafen Marseille zu unserem empfehlenswerten, kleinen Hotel Le Mozart in Aix-en-Provence, bei einem ersten Stadtrundgang durch Aix, regnet es in Strömen. Wie schön ist es da, dass sich unsere Stadtführerin nicht verdrießen lässt und uns bestens gelaunt durch die Gassen geleitet. Uns mit Freude ihre Wahlheimat zeigt und wir ihr beschirmt folgen.

Am nächsten Tag geht es bei strahlend schönem Wetter zunächst für wenige Stunden in die spannende Metropole Marseille. Im Sauseschritt gehen wir unter leidenschaftlicher Führung einer Einheimischen von den spektakulären modernen Architekturen im ehemaligen Frachthafengelände durch den ältesten, fast dörflich anmutenden Stadtteil, Le Panier zum malerischen alten Hafen hinunter.

Neben dem atemberaubenden Rundblick von der Wallfahrtskirche Notre-Dame de la Garde bleibt mir vor allem das köstliche Mittagsmahl in Erinnerung. Dafür fahren wir in Richtung der Calanques. Dort wo die Welt fast zu Ende ist, genießen wir in einem Lokal direkt am Meer eine üppige Fischplatte. Anschließend geht es weinselig und hochbeglückt weiter nach Cassis, einem kleinen, pittoresken Hafenstädtchen, in welchem wir schon erwartet werden und dann auch gleich auf ein Elektroboot steigen. Ohne Motorengeknatter und emissionsfrei fahren wir eine Stunde an bizarren Kalksteinfelsen entlang und in einige Fjorde hinein. Wir sehen Kletterer in den Felsen und Wanderer entlang der Calanques. Wunderschön! Man kann erahnen, was hier in der Hochsaison los ist. Im April geht es noch sehr entspannt zu.

Wetterglück haben wir auch am nächsten Tag mit unserem Ausflug nach Lourmarin, am Fuße des Luberon-Gebirges. Wir sind früh da und gehören so zu den ersten Besuchern,die durch die Gassen entlang der vielen Marktstände schlendern, mal hier ein leckeres Stück Käse oder dort eine duftende Erdbeere probieren. Köstliche Gerüche steigen in die Nase, von getrockneten Kräutern, Lavendel oder frischem Knoblauch. Einheimische stehen in plaudernden Grüppchen in der angenehm wärmenden Sonne. Trinken einen Kaffee unter blühenden Glyzinien.
Nur schwer können wir uns vom Markt losreißen. Es steht eine kurzweilige Führung durch das sehenswerte Renaissanceschloss von Lourmarin an. Von dort aus genießen wir zudem einen wunderbaren Blick über das mittelalterliche Dorf, das wir dann während eines kleinen Spaziergangs durch sanfte Hügel umrunden. In einem gemütlichen Gartenlokal am Rande des Dorfes lernen wir die typische aioli provencal kennen, eine Knoblauch-Mayonnaise, die es in sich hat. Sie wird hier zusammen mit Fisch, Weinbergschnecken und Gemüse serviert. Doch noch nicht genug der kulinarischen Genüsse. Am Nachmittag besuchen wir unweit von Lourmarin noch ein Olivenöl- und Weingut, die Bastide du Laval. Begleitet von der Dame des Hauses erklimmen wir einen Hügel und genießen den Blick über die Ländereien. Anschließend ist schon eine Öl-Verkostung für uns vorbereitet. Auch die Weine probieren wir natürlich. Und wie kann es anders sein: wir ziehen alle mit gefüllten Taschen von dannen. Auch unsere Lieben zuhause sollen eine Kostprobe der aromareichen Öle und der typisch provencalischen Oliventapenade einer Olivenpaste mit Sardellen bekommen.

Die für den nächsten Vormittag geplante Wanderung durch die Ockerbrüche bei Roussillon muss leider wetterbedingt ausfallen.Es regnet so stark, dass es zu rutschig und gefährlich wäre. So besuchen wir alternativ die ehemalige Farbenfabrik Okhra, heute eine Genossenschaft. Während einer Führung bekommen wir eine Ahnung von der Gewinnung der Ockerfarben. Anhand von alten Maschinen und ausführlichen Schautafeln. Die Maschinen stehen zwar still, doch jüngst werden dort wieder Kreiden und Aquarellfarben in Handarbeit hergestellt. Diese und vieles mehr lassen sich in dem sehr umfangreichen Produktsortiment des angeschlossenen Museumsshops erwerben.

Auf unserem Besichtigungs-Rundgang durch Roussillon begegnen wir keiner Menschenseele. Wir haben den Ort für uns alleine. Eine Seltenheit.

Am Nachmittag fahren wir höher hinauf nach Contadour und der Regen ist in Schnee übergegangen.Sehr ungemütlich. Wir gehen eiligen Schrittes bis zu einer ehemaligen Mühle, in der sich ein intellektueller Kreis um den Schriftsteller Jean Giono traf, in den Jahren vor dem Ausbruch des zweiten Weltkriegs, zum Gedankenaustausch und um Utopien zu entwickeln. Während der Fahrt dorthin liest uns Claudia zur Einstimmung die in viele Sprachen übersetzte Erzählung von Giono Der Mann, der die Bäume pflanzte vor. Heute würde man vielleicht von einem kleinen Öko-Märchen sprechen. Aber wer weiß schon, wie viele Menschen seither durch die Geschichte berührt wirklich einen Baum pflanzten. Den Protagonisten der Geschichte, Elzéard Bouffier, hat es wohl nie gegeben.

Im benachbarten Banon verkosten wir den über die Landesgrenzen hinaus bekannten Rohmilch-Ziegenkäse, den Banon du Banon. Eingewickelt in Kastanienblätter. Ein würziger Ziegenstallduft breitet sich auf unserer Rückfahrt im Bus aus.
Davor genießen wir im Ort noch die kuschelige Wärme in der Librairie Le Bleuet. Diese Buchhandlung stellt von Umfang und Buchauswahl manch großstädtische Buchhandlung in den Schatten. Und dies bei etwa 1000 Einwohner*innen!

Am letzten Tag bekommen wir noch die Gelegenheit zu einer Wanderung am Fuß der Montagne Sainte-Victoire. Dieses Bergmassiv hat schon Paul Cezanne fasziniert und er hat unzählige Ansichten davon auf Papier gebannt. Alleine in den wenigen Stunden, die ich vor Ort bin, leuchtet die Landschaft in den verschiedensten Farbnuancen. Eine gewisse Magie lässt sich nicht leugnen.

Auf unserem Rückweg zum Flughafen Marseille dürfen wir noch einmal direkt beim Produzenten provencalische Köstlichkeiten und Wein verkosten.

Eine wunderbare Reise mit der perfekten Mischung aus Kultur, Kulinarik und einfachen Wanderungen mit Wikinger-Reisen geht zu Ende!


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Für Sie geschrieben von
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